Diözesan­bischof Dr. Alois Schwarz

17.03.2019

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#Rastplatz 2019 2. Fastensonntag: Wucht und Hoffnung des Gebetes


Predigt

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Evangelium: Lk 9,28b-36

Während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes.

 

Nachdem Jesus den Jüngern sein Leiden angekündigt hatte, verstanden ihn die zwölf Apostel und die anderen Jünger nicht mehr. Deshalb nimmt Jesus drei seiner Jünger mit und geht mit ihnen auf einen Berg. So bewegt er sich selbst und die anderen, um mit ihnen aus den Unverständlichkeiten, den Schwierigkeiten, den Streitereien des täglichen Lebens herauszutreten und die Begegnung mit Gott zu suchen. Es schafft eine neue Lebensqualität, wenn man gerade dann in das Antlitz Gottes blicken kann, wenn das Leben besonders viel von uns fordert oder uns unerwartete Herausforderungen zumutet.

 

Es ist ein Einblick in die Herrlichkeit Gottes. Die Wolke, das biblische Sinnbild für Gottes Gegenwart, erschließt den schriftkundigen Aposteln das Besondere der Nähe Gottes. Sie sehen Mose, der zu Gott sagte: „Lass mich doch deine Herrlichkeit schauen!“ (Ex 33,18). Die äußerste Möglichkeit der Annäherung des Menschen an Gott war, dass er das Vorübergehen Gottes erfahren durfte (Ex 33,21 und 1 Kön 19,11 ff.).

 

Die Apostel sehen auch Elija, den Vater der Propheten, der in der Wüste Gott im „verschwebenden Schweigen“ (Martin Buber) erlebt hat. Auf dem Berg der Verklärung enthüllt nun Gott, dessen Antlitz die Menschen suchen, seine Herrlichkeit. „Auf dem Antlitz des gekreuzigten und auferstandenen Christus erkennen sie die Herrlichkeit Gottes“ (KKK 2583).

 

In den drei Aposteln werden auch drei verschiedene Charaktere zur Begegnung mit dem Auferstandenen geführt: Da ist zunächst der spontane Petrus, der oft unüberlegt sagt, was er will. Mit ihm geht Jakobus, der an der Tradition, dem religiösen Gesetz und der Ordnung orientierte Apostel und schließlich begleitet sie Johannes, der Jüngste unter ihnen, der oft aus dem Herzen heraus mit Liebe und Emotion die Dinge in Wahrheit erkennt. In diesen drei Begleitern Jesu wird der Mensch mit all seinen Seelenkräften hineingenommen in die verwandelnde Verklärung. Mit Wille, Verstand und Herz ist jeder Mensch berufen, dem gekreuzigten Auferstandenen zu begegnen. Dieses Evangelium ist eine Vorschau auf Ostern, damit wir den Weg mit Jesus Christus durch das Leiden in der Hoffnungsperspektive einer persönlichen Begegnung mit dem Auferstandenen bestehen.

 

Beim Gebet Jesu dabei sein zu dürfen war für die Apostel eine einzigartige Erfahrung der Herrlichkeit, das heißt biblisch „kabod“, eine Erfahrung der „Wucht“, der bewegenden und lichtvollen Kraft Gottes, die ihnen auch Kraft gab, die weiteren Leidensankündigungen Jesu auszuhalten und mit ihm „nach Jerusalem“ zu gehen.

 

Wer mit dem Vertrauen lebt, dass Gott uns, wie die Apostel, herausführt aus alltäglichen Leidsituationen und uns im Gebet sein Antlitz schauen lässt, erhält eine große seelische Kraft zum Durchhalten und Bestehen seines persönlichen Leidensweges in belebender Hoffnung.

 

Ich wünsche Ihnen Menschen, die Sie ermutigen oder begleiten und Sie in schwierigen Alltagssituationen mitnehmen auf den Weg zu Gott.

 

Fragen zur Besinnung:

  • Wo ist Ihr „Berg der Verklärung“, das heißt der Ort, an dem Sie die Herrlichkeit Gottes spüren und erfahren?
  • Kann das Gebet (das „innere Schauen auf Gott“) Ihnen eine neue gläubige Wahrnehmung für die schweren wie auch die freudvollen Seiten des Lebens schenken?
  • Vertrauen  Sie darauf, dass Sie einmal für immer mit dem Auferstandenen in der Herrlichkeit sein werden?

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