Diözesan­bischof Dr. Alois Schwarz

22.02.2025

Zurück zur Übersicht

Predigt zur Benediktion von Abt Patrick Schöder OSB


Predigt

danique-tersmette-pUnT9YQUFYc-unsplash (Large)

Liebe Frau Bun­des­mi­nis­ter! Lie­ber Herr Bot­schaf­ter! Lie­ber Herr Land­tags­prä­si­dent! Lie­ber Su­per­in­ten­dent! Liebe Damen und Rit­ter vom Hl. Grab zu Je­ru­sa­lem! Liebe Geist­li­che Schwes­tern! Liebe Pries­ter und Dia­ko­ne! Mit­fei­ern­de in der Stifts­kir­che!
Liebe Mit­fei­ern­de über den YouTube-​Kanal des Stifts Gött­weig, auf Ser­vus TV ON und Radio Maria!

 

Ein ganz be­son­de­rer Gruß gilt Bi­schof Ma­xi­mi­li­an Ai­chern, der un­se­ren Abt Pa­trick zum Pries­ter ge­weiht hat. Heute sind wir in be­son­de­rer Weise mit­ein­an­der ver­bun­den.

 

Le­sung: Ver­ant­wor­tung und Dienst in der Kir­che

 

Die heu­ti­ge Le­sung aus dem Pe­trus­brief gibt uns eine Mo­ment­auf­nah­me der Ent­wick­lung kirch­li­cher Ämter. Es geht um Lei­tung in der christ­li­chen Ge­mein­de. Der Vor­ste­her wird hier als Äl­tes­ter be­zeich­net – als Zeuge der Lei­den Chris­ti, als je­mand, der mit sei­ner gan­zen Exis­tenz für das ein­steht, was er be­zeugt. Seine Au­to­ri­tät ent­springt nicht nur sei­nem Amt, son­dern auch sei­ner per­sön­li­chen Er­fah­rung mit Chris­tus.

Lei­tung be­deu­tet hier nicht Herr­schen, son­dern Hüten. Der Äl­tes­te soll Hirte und Hüter der See­len sein – frei­wil­lig, vor­bild­haft, in Dienst­be­reit­schaft und mit Hin­ga­be. Das Amt ist nicht eine Frage der Macht, son­dern des Die­nens.

 

Evan­ge­li­um: Das Be­kennt­nis des Pe­trus

 

Im Evan­ge­li­um hören wir, dass Jesus in das Ge­biet von Cäsaréa Phil­ip­pi kam und seine Jün­ger frag­te: „Für wen hal­ten die Men­schen den Men­schen­sohn?“

 

Diese Szene spielt weit im Nor­den, wo der Jor­dan ent­springt – weit ent­fernt von Je­ru­sa­lem. Was macht Jesus ganz im Nor­den? Jesus hätte es in Ga­li­läa gut­ge­habt. Er heil­te die Kran­ken. Er er­zähl­te vom Reich Got­tes in un­zäh­li­gen Bil­dern aus der Natur. Vom Wei­zen­korn und der selbst­wach­sen­den Saat. Er teil­te das Brot und lern­te von einer Hei­din bei den Sy­rop­hö­ni­zi­ern, dass er auch für die an­de­ren da sein muss. Nicht nur für Is­ra­el. Nicht nur für sein Volk. Immer mehr wurde ihm be­wusst, dass er nach Je­ru­sa­lem gehen muss – dort­hin, wo ihn Aus­ein­an­der­set­zun­gen und Streit, ja mehr noch, Lei­den und Tod er­war­te­ten. Wie aber sagt er das sei­nen Jün­gern? Um sich Ver­trau­en zu si­chern, fragt Jesus, als er in das Ge­biet von Cäsaréa Philíppi kam, seine Jün­ger:

 

Für wen hal­ten die Men­schen den Men­schen­sohn? Sie sag­ten: Die einen für Jo­han­nes den Täu­fer, an­de­re für Elíja, wie­der an­de­re für Jeremía oder sonst einen Pro­phe­ten. Da sagte er zu ihnen: Ihr aber, für wen hal­tet ihr mich? Simon Pe­trus ant­wor­te­te und sprach: Du bist der Chris­tus, der Sohn des le­ben­di­gen Got­tes! Und Jesus sagt zu ihm: „Du bist Pe­trus – der Fels – und auf die­sen Fel­sen werde ich meine Kir­che bauen, und die Pfor­ten der Un­ter­welt wer­den sie nicht über­wäl­ti­gen.“

 

Diese Worte gaben Jesus so viel Ver­trau­en, dass er sei­nen Jün­gern of­fen­bar­te, dass er lei­den werde. Damit be­ginnt die Krise: Pe­trus muss er­ken­nen, dass er er­neut hin­ter Jesus zu­rück­tre­ten muss. Sechs Tage lang sind sie un­ter­wegs zum Berg Tabor – eine Reise, die sich als her­aus­for­dern­der er­weist als ge­dacht. Wer hätte ge­dacht, dass es so schwie­rig wird, bis sie durch das Jor­dan­tal über Je­ri­cho dann nach Je­ru­sa­lem kom­men?

 

Ein Blick nach Gött­weig: Ver­ant­wor­tung in der Nach­fol­ge Chris­ti

 

Wer hätte ge­dacht, dass nach dem Tod von Abt Cle­mens Las­ho­fer im Jahr 2009 der neu ge­wähl­te Abt Co­lum­ban Luser nicht nur in die Fuß­stap­fen sei­ner Vor­gän­ger tre­ten, son­dern auch große Lei­dens­be­reit­schaft auf­brin­gen müss­te? Doch Nach­fol­ge Chris­ti zeigt sich nicht nur in der Be­reit­schaft, Her­aus­for­de­run­gen und Ent­beh­run­gen an­zu­neh­men, son­dern eben­so in der Of­fen­heit zu wach­sen und zu ler­nen.

 

Lie­ber Abt Co­lum­ban, ich danke dir be­son­ders für deine Lern­be­reit­schaft – für deine Mühe um die Le­bens­ge­mein­schaft hier im Stift und deine fa­mi­liä­re Für­sor­ge für die An­ge­stell­ten. Ich er­in­ne­re mich gut an mei­nen Be­such mit Pater Ger­fried Sitar und an meine Bitte, dass du für das Stift St. Paul dei­nen Mit­bru­der und Prior Pater Ma­xi­mi­li­an Krenn zur Ver­fü­gung stellst. Dafür danke ich dir und dei­nen Brü­dern von Her­zen – be­son­ders dir, Pater Ma­xi­mi­li­an, für dei­nen wert­vol­len Dienst in Kärn­ten und als Prior in Gött­weig.

 

Abt Co­lum­ban, du hast stets die pas­to­ra­len Her­aus­for­de­run­gen der 28 in­kor­po­rier­ten Pfar­ren mit­ge­tra­gen und auch die An­lie­gen der Diö­ze­se im Blick be­hal­ten. Heute über­gibst du dei­nem Nach­fol­ger ein gut über­dach­tes Stift und eine Ge­mein­schaft von Mön­chen, die Gott su­chen und loben, beten und ar­bei­ten – sei es in den Pfar­ren, oder hier, auf dem Gött­wei­ger Berg, einem der schöns­ten Ar­beits­plät­ze des Lan­des.

 

Der neue Abt: Pater Pa­trick Schö­der

 

Am 8. Jän­ner wurde Pater Pa­trick Schö­der zum Abt ge­wählt. Ge­bo­ren in Süd­afri­ka, führ­te dein Weg dich ge­mein­sam mit dei­nen El­tern, die ich herz­lich grüße, nach Nie­der­ös­ter­reich, über Bern­dorf und Horn nach Gött­weig. In Bern­dorf durf­te ich, lie­ber Abt Pa­trick, dich 1998 fir­men. Da­mals warst du Spre­cher der Firm­lin­ge und hast mich als Bi­schof und Firm­spen­der be­grüßt.

 

Dein Abt er­laub­te dir nach dei­nem Klos­ter­ein­tritt Stu­di­en und Lehr­tä­tig­keit. Du hast dich der Stu­die­ren­den­seel­sor­ge ge­wid­met, in­ter­na­tio­na­le Kon­tak­te ge­pflegt und warst mir als Bi­schofs­vi­kar ein wich­ti­ger Ver­tre­ter der Kir­che an den Uni­ver­si­tä­ten und Hoch­schu­len. Ein Ge­sprächs­part­ner mit deut­schen und ame­ri­ka­ni­schen Bi­schö­fen über die Wirk­lich­keit der FOCUS Mis­sio­na­re in un­se­rer Diö­ze­se. Ein di­plo­ma­ti­scher Mensch mit of­fe­ner Men­ta­li­tät, Ver­ant­wor­tung, Kon­takt­freu­dig­keit und Freund­lich­keit.

 

Heute darf ich dir die Or­dens­re­gel des Hei­li­gen Be­ne­dikt über­ge­ben, die das Leben dei­ner Ge­mein­schaft prägt. Sie ist – wie es im Vor­wort heißt – „eine Schu­le, in der man dem Herrn dient“ (RB Prol 45). Nun wirst du im Krei­se dei­ner Mit­brü­der drei­mal im Jahr die Ka­pi­tel über den Abt hören –sie er­in­nern dich daran, wie der Abt mit sei­nen Brü­dern um­ge­hen soll: „Er macht alles Gute und Hei­li­ge mehr durch sein Leben als durch sein Reden sicht­bar“. (RB 2, 12) „Den einen liebe er nicht mehr als den an­de­ren, es sei denn, er finde einen, der eif­ri­ger ist in guten Wer­ken und im Ge­hor­sam.“ (RB 2, 17)

„Der ein­ge­setz­te Abt be­den­ke aber stets, wel­che Bürde er auf sich ge­nom­men hat und wem er Re­chen­schaft über seine Ver­wal­tung ab­le­gen muss. Er wisse, dass er mehr hel­fen als herr­schen soll. Er muss daher das gött­li­che Ge­setz genau ken­nen, damit er Be­scheid weiß und einen Schatz hat, aus dem er Neues und Altes her­vor­ho­len kann.“ (RB 64, 7-9)

 

„Er suche mehr ge­liebt als ge­fürch­tet zu wer­den.“ (RB 64,14)

 

 „Diese und an­de­re Zeug­nis­se maß­vol­ler Un­ter­schei­dung, der Mut­ter aller Tu­gen­den, be­her­zi­ge er. So halte er in allem Maß, damit die Star­ken fin­den, wo­nach sie ver­lan­gen, und die Schwa­chen nicht da­von­lau­fen.“ (RB 64, 18)

 

Der Abt ver­fügt gemäß der Be­ne­dikts­re­gel also über bei­na­he un­ein­ge­schränk­te Au­to­ri­tät. Aber er trägt auch eine große Ver­ant­wor­tung. Er muss sich von der Or­dens­re­gel in aller Klar­heit sagen las­sen: am Tag des Ge­richts muss er für sie alle dem Herrn Re­chen­schaft ab­le­gen, dazu ohne Zwei­fel auch für sich selbst.“ (RB  2, 38)

 

Die Auf­ga­be des Abtes: Ein Dienst an der Ge­mein­schaft

 

Du bist von dei­nen Mit­brü­dern zum Abt er­wählt, und ihr ge­hört zu­sam­men – die Mit­brü­der im Stift eben­so wie jene, die als Seel­sor­ger in den Pfar­ren wir­ken. Du bist Abt aller dei­ner Mit­brü­der, auch Vater der Pfarr­seel­sor­ger. Denke daran, dass die Mön­che in den Pfar­ren vor be­son­de­ren Her­aus­for­de­run­gen ste­hen: Sie sind ein­ge­bun­den in die Ge­bets­tra­di­ti­on einer Or­dens­re­gel und zu­gleich in den All­tag der pfarr­li­chen Ver­wal­tung und Or­ga­ni­sa­ti­on. Sie haben die große Chan­ce, das Hor­chen und Beten, das sie im Stift Gött­weig prägt, in ihre Pfar­re zu über­tra­gen und auch dort ihr ge­leb­tes Mönch­tum spür­bar und wirk­sam wer­den zu las­sen.

 

Die Pfarr­ge­mein­de pro­fi­tiert von die­ser be­ne­dik­ti­ni­schen Spi­ri­tua­li­tät, die auf Ord­nung, Regel und auf­merk­sa­mes Hören aus­ge­rich­tet ist – auf Gott, auf­ein­an­der und auf das ge­mein­sa­me Wir­ken. Auch im Pfarr­ge­mein­de­rat wird diese Hal­tung le­ben­dig: Es geht darum, sich ge­gen­sei­tig zu­zu­hö­ren und ge­mein­sam zu ent­schei­den. Genau das ist es, was Papst Fran­zis­kus als Syn­oda­li­tät be­zeich­net.

 

Das Leben im Pfarr­hof soll­te so ge­stal­tet sein, dass er­kenn­bar wird: Ein Or­dens­mann lebt hier – einer, der wach­sam ist für die Ge­gen­wart Got­tes, ge­ra­de in einer Zeit, in der viele Men­schen mei­nen, ohne Gott aus­zu­kom­men. Die Zu­ge­hö­rig­keit zum Stift ist für viele Pfarr­an­ge­hö­ri­ge in­kor­po­rier­ter Pfar­ren eine be­wuss­te Iden­ti­tät. Sie spü­ren es nicht nur, wenn Re­no­vie­run­gen oder Bau­maß­nah­men an­ste­hen, son­dern auch in der geist­li­chen Ver­bun­den­heit. Sie sind stolz dar­auf, eine Stifts­pfar­re zu sein. Gleich­zei­tig wis­sen sie, dass sie ihren Pfar­rer immer wie­der frei­ge­ben müs­sen, damit er ins Stift zu­rück­keh­ren kann, um die Ge­mein­schaft mit sei­nen Mit­brü­dern zu pfle­gen und sich in sei­nem mo­nas­ti­schen Fun­da­ment zu ver­ge­wis­sern. Aber sie wis­sen auch: Bei wich­ti­gen Fei­er­lich­kei­ten in der Pfar­re dür­fen sie mit dem Abt rech­nen.

Ein Mönch, der unter einer Or­dens­re­gel lebt und in der Pfar­re wie ein Abt Vater sei­ner Ge­mein­de ist, liest eine Pfarr­ge­mein­de­rats­ord­nung mit einem be­son­de­ren spi­ri­tu­el­len Blick. Denn er bringt mit, was die be­ne­dik­ti­ni­sche Tra­di­ti­on seit Jahr­hun­der­ten kennt: eine Ord­nung, die nicht be­engt, son­dern Raum gibt – für das Hören, für das Gebet und für die Ge­mein­schaft.

 

Gött­weig: Ein Ort der Schön­heit, ein Ort des Ge­bets

 

In dei­nem Stift Gött­weig sind viele Be­su­cher von der Schön­heit die­ses Ortes über­wäl­tigt. Das ist eine Schön­heit, in der uns Gott be­geg­net und sich gleich­zei­tig un­se­rem Zu­griff ent­zieht. Das ist eine Schön­heit, die mehr ist als per­sön­li­ches Emp­fin­den. Hier be­wegt uns etwas, das mehr ist, als ich selbst bin. Diese Schön­heit hat kei­ner von uns ver­dient, aber jeder be­kommt sie. Per­fek­ti­on wird ge­gönnt. Eine Schön­heit, die am Ende Liebe ist. Hier in die­sem Stift, wie auch in allen an­de­ren Klös­tern un­se­res Lan­des, gibt es eine Kon­tem­pla­ti­on der Herr­lich­keit, eine Ent­de­ckung der Schön­heit der Kir­che in der Schön­heit Got­tes. Das ist ein Ort, wo man sich stär­ken kann gegen die Spi­ra­le der Ba­na­li­sie­rung.

 

Klös­ter sind Orte aus­ge­ruh­ter Ent­schei­dungs­fin­dung, Orte der In­ner­lich­keit. „In sei­ner In­ner­lich­keit über­steigt […] [der Mensch] die Ge­samt­heit der Dinge: In diese Tiefe geht er zu­rück, wenn er in sein Herz ein­kehrt, wo Gott ihn er­war­tet, der die Her­zen durch­forscht, und wo er selbst unter den Augen Got­tes über sein ei­ge­nes Ge­schick ent­schei­det“ (GS 14).

 

Es ist im Her­zen – so er­in­nert uns Papst Fran­zis­kus –, wo jede Per­son die „diese pa­ra­do­xe Ver­bin­dung zwi­schen Selbst­wert­ge­fühl und Of­fen­heit für an­de­re […], zwi­schen der ganz per­sön­li­chen Be­geg­nung mit sich selbst und dem Ge­schenk sei­ner Selbst an an­de­re“ [Deli­xit nos 18] ent­deckt. Aus die­sem Grund ist „[n]ur das Herz […] in der Lage, die an­de­ren Fä­hig­kei­ten und Lei­den­schaf­ten und un­se­re ganze Per­son in eine Hal­tung der Ehr­furcht und des lie­ben­den Ge­hor­sams dem Herrn ge­gen­über zu brin­gen“ [Deli­xit nos 27], der „uns an­bie­tet, uns stets und für immer wie ein Du zu be­han­deln“ [Deli­xit nos 25].

 

Heute leben wir in einer Zeit, in der viele dar­über strei­ten, wer mehr be­lei­digt ist. Es braucht Orte des ent­dra­ma­ti­sier­ten Aus­tau­sches – Orte, wo nicht Bes­ser­wis­sen, son­dern das Ver­ste­hen­wol­len zählt. Ein Klos­ter ist ein sol­cher Ort. Hier lernt man, das Ohr des Her­zens den Leh­ren des Meis­ters zu­zu­nei­gen und sich der Mühe des Ge­hor­sams zu un­ter­zie­hen. (RB Pro­log)

 

Noch bevor die Sonne über un­se­rem Land auf­geht, bren­nen in den Klos­ter­kir­chen die Lich­ter, und die Mön­che sin­gen Psal­men, die Lie­der Da­vids – Lob­preis und Klage, Auf­schrei der Not und Ver­trau­en in Got­tes Füh­rung. Es ist eine Such­be­we­gung auf Gott hin. Uwe Kolbe schreibt: Da geht es je­weils um mein gan­zes Leben bis zum heu­ti­gen Tag. Ich werde ge­prüft – oder so ge­sagt: Ich lasse zu, dass mich der Psal­mist in seine Selbst­prü­fung vor Gott ein­be­zieht…  Mich er­griff ein tie­fer Schau­er, als ich ge­wahr wurde, dass Jesus am Kreuz einen Psalm zi­tiert.[1]

 

Tags­über un­ter­bre­chen sie die Ar­beit und wid­men sich wie­der im Gebet dem Lob­preis eines Got­tes, der immer wie­der an die Men­schen denkt und sagt: Ich bin da und werde da sein. Mein bist du wird hier aus­buch­sta­biert, damit wir es un­se­rem Gott glau­ben, dass er uns liebt und er­löst.

 

Wenn dann am Abend die Sonne un­ter­geht und die Mön­che wie­der sin­gen, dann ist ihr Gebet, wie die Jüdin Nelly Sachs ge­sagt hat: Nacht­her­ber­ge für die Weg­wun­den.

 

Ubun­tu – Ich bin, weil wir sind

 

Im Süd­afri­ka­ni­schen gibt es das Wort UBUN­TU und das heißt: Ich bin, weil wir sind. Das süd­afri­ka­ni­sche Wort “Ubun­tu” (häu­fig mit “ibun­tu” ver­wandt) stammt aus den Bantu-​Sprachen und ist ein zen­tra­ler Be­griff der afri­ka­ni­schen Phi­lo­so­phie. Es wird oft mit “Mensch­lich­keit” oder “Ich bin, weil wir sind” über­setzt.

 

Ubun­tu be­schreibt Werte wie Mit­ge­fühl, Ge­mein­schaft, So­li­da­ri­tät, Re­spekt und Har­mo­nie. Dass ein Mensch nur durch an­de­re Men­schen voll­stän­dig Mensch wird – durch die Ge­mein­schaft und das ge­gen­sei­ti­ge Wohl­wol­len.

 

Diese Ge­mein­schaft grün­det in der Zu­sa­ge Got­tes: „Fürch­te dich nicht, denn ich habe dich er­löst; ich habe dich beim Namen ge­ru­fen, du ge­hörst mir.“ (Jes 43,1)

 

Lie­ber Abt Pa­trick, dein Wahl­spruch „Mein bist du“ ist Aus­druck die­ser tie­fen Ver­bun­den­heit. Möge dir diese Ge­wiss­heit jetzt in un­se­rem Gebet für dich, für dein Stift, für dei­nen Prior und für die Ge­mein­schaft der Mön­che spür­bar wer­den.

 

Amen.

 

[1] https://www.her­der.de/com­mu­nio/kul­tur/ein-​gespraech-ueber-die-psalmen-mit-dem-schriftsteller-uwe-kolbe-ein-lied-ohne-gott-ist-tonlos-/

Weitere Predigten

Ich bin. Mit dir.