Predigt vom 26.12.25 Hl. Stephanus
Predigt
Lieber Vater Antonio, liebe Schwestern, liebe Brüder, manchmal macht es mich sehr traurig, dass das Weihnachtsgeschehen, das eigentlich eine Botschaft der Liebe ist, nicht verstanden wird. Ich wundere mich, da kommt ein Gott zu den Menschen in der Gestalt eines Kindes, lächelt in die Welt, in seine Welt hinein Liebe, und Menschen wollen das nicht wahrhaben. Er geht auf Menschen zu, heilt sie, richtet sie auf, tröstet sie, teilt das Brot mit ihnen, das es für unzählige reicht und viele Körbe übrig bleiben, und Menschen wollen das nicht wahrhaben.
Im Grunde ist die Transzendenz, die wir uns oben vorstellen, in die Mitte des Menschseins gerückt, im Kinn von Bethlehem. Gott wagt alles, sich hinzugeben in eine Menschheit, in einer Form, wo er Barmherzigkeit lebt, die unübertrefflich ist, bis über den Tod hinaus. Und Menschen wollen das nicht wahrhaben.
Er selbst hat im Sterben Hingabe gelebt, und andere haben das erlebt und gesehen und sind in seine Schule gegangen. So auch der Heilige des heutigen Tages, der heilige Stephanus. Er wurde zum Diakon geweiht, weil damals in den Gemeinden die Sorge war, dass das Wort Gottes bei den Aposteln zu kurz kommt.
Deshalb wurden Männer eingesetzt, die den Dienst an den Tischen machen, in den Organisationen der Gemeinden. Stephanus war einer davon. Er hat an dem Jesus von Nazareth gelernt, in der Gnade Gottes zu leben und zu reden.
Stephanus war voll Gnade und Kraft. Wunder und große Zeichen unter dem Volk tat er. Er hat sich von Jesus abgeschaut, wie es den Menschen guttut, wenn die Gnade Gottes im Herzen des Menschenraum gewinnt.
Er hat die Botschaft von der Vergöttlichung des Menschen, die wir gestern verkündet haben, so in sich aufgenommen, dass er über sich hinausgewachsen ist. Also wer die Weihnachtsbotschaft in sich aufnimmt, dass Gott einer von uns ist, den uns Raum gewinnt, bei uns Platz hat, der wächst über sich hinaus. Voll Gnade und Kraft tat er große Wunder.
Und dann begegnete er Menschen, die heimgekehrt sind in das Land und ihre jüdische Tradition bis zum Letzten verteidigt haben. In der Synagoge der Libertiner, der Kyrenäer, der Alexandriner. Das waren Menschen, die auswärts waren und nach Hause zurückgekehrt sind und gesagt haben, also jetzt unsere Tradition, das kann doch nicht sein, dass einer von uns sagt, dass Gott mit ihm ist.
Sie haben mit Stephanus gestritten. Sie haben sich als seine Gegner erwiesen und keinen Dialog mit ihm geführt. Sie waren aufs Äußerste empört, heißt es, und knirschten mit den Zähnen gegen ihn.
Wenn jemand auf seinem Standpunkt beharrt, ohne hineinzuhorchen, was den anderen bewegen könnte, gibt es kein Gespräch. Und ich sage nochmals, Stephanus war einer, der über sich hinausgewachsen ist, erfüllt vom Heiligen Geist, heißt es, blickte er zum Himmel empor und sah die Herrlichkeit Gottes. Er sah, wie sie ihn bedrängt haben, den Himmel offen.
Dabei wusste er, der Himmel ist im Kind von Bethlehem der Menschheit erschienen. Wie die Dichterin sagt, ich weiß nicht, ob der Himmel niederkniet, wenn man zu schwach ist, um hinaufzusteigen, formuliert Christine Lavant in einem Gedicht. Ich weiß nicht, ob der Himmel niederkniet, wenn man zu schwach ist, um hinaufzusteigen.
Der Stephanus wusste, der Himmel ist niedergekniet. Der Himmel hat ein Gesicht bekommen. Er sah den Himmel offen, er sah in diesem Jesus von Nazareth, in dem verherrlichten und verkehrten Christus dann die Herrlichkeit des Himmels.
Und sie steinigten ihn, er aber betete. Herr, nimm meinen Geist auf. Ein ganz ähnliches Wort kennen wir vom Sterben Jesu.
Er übergab seinen Geist. Er bat, verzeih ihnen. Das Lukasevangelium schildert uns Jesus, wie er das gelacht und gelebt hat.
Und die Apostelgeschichte schildert, wie das in der Gemeinde, in der jungen Gemeinde gelebt wurde. Und zeigt uns am Stephanus, der wie Jesus, selbst im Sterben, wenn er seinen Geist aufgibt, noch sagt, Herr, rechne ihnen diese Sünde nicht an. Er hat eine solche Kraft bekommen in seiner Verbundenheit mit Christus, die ihn in diesem äußersten Situation festhalten ließ.
Und nun gibt es seit dem Stephanus unzählige Menschen, die für diese Botschaft der Menschwerdung Gottes ihr Leben hingegeben haben. Ich habe noch keinen Menschen getroffen, der für irgendeine griechische Sage oder einen griechischen Helden sein Leben hingegeben hätte. Also wenn das nicht stimmen würde mit dem Jesus von Nazareth, hätten die Menschen dafür nicht ihr Leben hingegeben.
Also muss doch was dran sein mit der Weihnachtsbotschaft. Und das bis heute. Bis heute werden Menschen verfolgt, die diesen Glauben leben.
Wir haben einen Gott, der die Liebe ist und sind die Religion, die am meisten verfolgt wird. Heute in der Früh beim Blick von mir auf den Teletext, im Fernsehen habe ich gelesen, der amerikanische Präsident hat in Nigeria die IS-Terroristen angegriffen, um die Christen, die sie verfolgen, zu schützen. Blutvergießen um Blutvergießen.
Menschheit, wann wirst du lernen, dass man Leben nicht vernichten darf, weder so noch so. Es gibt so viele Menschen, die am Leben festhalten, weil sie an sich selbst festhalten und nicht an dem Gott, der Mensch geworden ist. Und da hinein in diese Weltsituation feiern wir einerseits Weihnachten, die Menschwerdung unseres Gottes.
Und wir feiern einen, der dies gelebt hat in letzter Konsequenz und den Himmel offen sah. Dass so etwas immer Folgen hat für die, die zuschauen oder dabei sind, sehen wir in der Beschreibung, die hier steht. Zeugen legten ihre Kleider zu Füßen eines jungen Mannes nieder, der Saulus hieß.
Saulus war dabei bei der Steinigung des Stephanus, wie sie ihn hinaustrieben aus der Stadt. Aber Saulus war einer, der einen unheimlichen Sinn für Gerechtigkeit hatte. Und so wird der Gerechte dann später den Gerechten finden, nämlich den Jesus von Nazareth.
Saulus hat sich bekehrt. Er wusste, dieser Weg führt nicht ins Leben. Die Märtyrer sind diejenigen, die immer wieder andere in die Spur des Evangeliums bringen.
Wie vielen ist das zu verdanken, dass die Kirche heute sich so breit zeigt in der Welt. Dass sie so viel Zulauf hat, auch in den verfolgten Kirchen. Dass aus der Verfolgung und aus dem Martyrium heraus Menschen ihr Leben total umdrehen und dann sagen, also das mit der Menschwerdung unseres Gottes ist doch das Überlebensprogramm für die Menschheit.
Amen.
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Ich bin. Mit dir.
