Predigt am Christtag, 25.12.2025
Predigt
Lieber Weihbischof Anton, lieber Bischofsvikar Pater Antonio, liebe Diakone, liebe geistliche Schwestern, liebe Schwestern und Brüder, die Sie zu diesem Festgottesdienst gekommen sind. Heute war nicht mehr die Rede von der Krippe und den Hirten und den Engeln. Hätten Sie sie vielleicht auch gerne gewünscht wieder, aber es ist immer so, bei der Weihnachtsmesse am Tag ist immer diese Geschichte vom Anfang und dem Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott und das Wort ist reich geworden und hat unter uns gewohnt.
Also wir lesen das nicht, weil wir der Meinung sind, dass das so eine poetische Figur ist, der Jesus von Nazareth, eine literarische Figur, von der man halt erzählt. Wir wissen, der Mensch lebt ja nicht von den Begriffen allein, er lebt vom Staunen. Weihnachten ist nicht bloß eine schöne Erzählung, sondern die Wahrheit in einer Gestalt, die sich kein Mensch ausdenken würde.
Unser Gott ist als Kind in Hilflosigkeit mit einem um Liebe werbenden Herz in Einfachheit geboren. Unser Gott kommt nicht mit dem Anspruch der Macht und nicht mit Drohung, sondern in der Gestalt eines Kindes, in der stillen Werbung der Hilflosigkeit. Das kann sich unser Gott leisten, im Lächeln eines Kindes die Menschheit und in seine Welt zu schauen, im Weinen des ungeborgenen Menschen, im Ausstrecken nach Behütetsein eine Menschlichkeit anzunehmen, ohne das Gottsein zu verlieren.
Wir willkommen sind auf den Bergen, die Schritte des Freudenboten, hat es geheißen, der Frieden verkündet. Die Botschaft ist nicht Lärm, sie ist auch kein Mythos, keine poetische Verklärung. Das sind keine mythischen Metamorphosen.
Das war ja damals, was den Johannes so in diese Sprache geführt hat, denn zu seiner Zeit gab es ja ganz schöne Geschichten aus der griechischen Mythologie, dass sich Götter verkleiden, dass jemand eine Menschengestalt annehmen kann, dass man das schauspielhaft darstellen kann. Nein, unserem Gott, dem Gott der Bibel und der Christen geht es darum, sich hineinzulieben in eine Welt, nicht bloß mit Worten. Viele Male hat Gott gesprochen, hat es geheißen in der zweiten Lesung.
Viele Male und auf vielerlei Weise hat Gott einst zu den Vätern gesprochen, jetzt durch seinen Sohn. Jetzt durch seinen Sohn. Ich sage, Gott ist Mensch geworden.
Und dann zögere ich schon als Bischof, weil ich denke, welchen Zugang haben die, die mir jetzt zuhören, zu Gott? Ist Gott noch eine Wirklichkeit heute oder ist er eine Projektion des Menschen, wie Feuerbach, der Philosoph, gemeint hat? Oder ist Nietzsche tot, wie Nietzsche gesagt hat, ist Gott tot heute? Nietzsche ist tot, ja, wissen wir. Aber Gott ist nicht tot. Er wusste zugleich, der große Philosoph, was fehlt, wenn Gott fehlt, nämlich die Koordinaten der Wirklichkeit geraten entschwimmen, meint er.
Und der Philosoph Nietzsche sagte, ich fürchte, ich werde Gott nicht los. Aber gilt das noch für den heute modernen Atheismus, den es auch gibt? Manche Philosophen meinen, der Atheismus der Moderne ist erschüttert. Der italienische Philosoph Vatimo spricht vom Tod des Atheismus.
Er sagt, die Frage nach Gott ist wieder offen. Das ist schon, worüber ich oft nachdenke. Ist die Frage nach Gott wieder offen? Gerade nach der Menschwerdung, nach der Selbstentäußerung unseres Gottes, der unterläuft ja alle irdischen Machtansprüche.
Zur Bewährung des Glaubens an ihn braucht es sowas wie eine leidenschaftliche Liebe, die mitleidet. Manche meinen, das geht zu weit. Das Judentum kann das nicht mittragen.
Die Juden sprechen von der Einwohnung Gottes in dieser Welt. Sie sagen, Gott geht mit, mit seinem Volk. Er ist im Tempel, dann war er im Exil mit ihnen.
Gott wohnt bei seinem Volk. Aber die Juden würden nie sagen, Gott ist Mensch geworden. Fleisch geworden ist das Wort, hat es geheißen.
Nicht als Besitz, als Nähe, nicht als Zwang, sondern als Einladung. Wir Christen sagen, Gott ist Mensch geworden. Einer von uns.
Damit wir begreifen, was Mensch sein könnte. Die Muslime können das auch nicht mittragen. Die reden zwar von Jesus als dem großen Propheten.
Sie reden im Koran wundersam, einfühlsam über Maria. Aber das können sie nicht mittragen. Sie sagen, Gott ist barmherzig.
Aber dass er in seiner Barmherzigkeit Mensch wird, das tragen sie nicht mit. Unser Gott ist Mensch geworden. Das ist das einzigartig Kostbare, das wir haben.
Er steigt aus der Transzendenz heraus in die Wirklichkeit eines konkreten Landes. In einem Beruf dann, den er ausübt mit seinem Vater. Er geht dann über die Straßen Galileas nach Judäa.
Man nimmt ihm das Leben und er weiß einen Weg über den Tod zum Leben. Transzendenz, sagt Martin Heidegger, ist das Hinaussein über das Seiende. Das Hinaussein über das Seiende.
Wir werden hinausgeführt über das, was wir irdisch so wahrnehmen, über das Seiende hinausgeführt. Ich bin sehr dankbar, dass ich Ihnen das nicht nur mit Worten erklären kann und Sie da mitnehmen kann in die Transzendenz, in die Wirklichkeit Gottes hinein. Ich bin sehr dankbar, dass die Musik dabei hilft.
Die Musik ist sowas, wo wir hinausgehoben werden aus dem Alltäglichen in eine andere Wirklichkeit. Weihnachten ist nicht ohne Musik verstehbar. Ich verstehe, die Enge haben gesungen auf den Hirtenfeldern.
Ehre sei Gott in der Höhe. Die Musik beginnt ja dort, wo das Wort nicht mehr reicht. Sie ordnet das Innere, sie bringt das Zerrissene zusammen.
Vielleicht ist es sicher kein Zufall, dass wir zu Weihnachten singen oder zumindest gerne dem Gesang zuhören. Die Menschen haben dann eine eigene Sehnsucht danach. Wir haben die Freude, das in einer Liturgie zu erleben, die Mozart-Messe.
Aber wenn ich die Programme anschaue, in den namhaften Konzerten in Österreich, da werden Messen gespielt von hochkarätigen Musikern und Musikerinnen. Am Sonntagvormittag manchmal. Die exzellente Messe, aber ohne Liturgie.
Aber die Leute kommen in Scharen hin, weil die Musik sich hineinführt in eine Wirklichkeit, in eine Form von Transzendenz. Ich freue mich, dass die Musik nicht nur in den Kirchen erklingt, sondern auch in den Konzertsälen. Das ist ein Überschreiten des Irdischen.
Und diese Erfahrung des Überschreitens des Irdischen tut uns gut, wenn wir über das Große der Menschwerdung Gottes nachdenken. Denn unser Gott ist darauf aus, dass wir in unserer Seele berührt werden von ihm. Wir werden im Innersten berührt, wenn wir den Satz buchstabieren, Gott ist Mensch geworden für mich, damit mein Leben vergöttlicht wird.
Er hat einen heiligen Tausch vollzogen. Er wurde Mensch, damit wir Menschen etwas Göttliches in uns, an unserem Menschsein entdecken. Und zwar durch die Nähe eines Kindes in Bethlehem.
Wenn wir das zulassen, dass der Logos, wie es im Griechischen heißt, das Wort Zielsicherheit schenkt und das innerste Gesetz Gottes sich in unser Leben eingemeindet, dann setzt sich das um, was das Uranliegen unseres Gottes ist. Dem Menschen, der sein Ebenbild ist, seiner Würde zu verhelfen, die man sich irdisch nicht erarbeiten kann. Er wagt es, weil er in seiner Vollmacht sich in eine Erniedrigung einwagt, ohne Autorität und sein Gottsein zu verlieren.
Unser Gott geht mit uns in jede Lebenssituation hinein. Damals hieß es, er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf. Ich wünsche mir, dass viele die Seinen sind und wir ihn heute aufnehmen.
Denn Gott, der der Lebenssinn und unsere Zukunft ist. Amen.
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