Abschlussmesse zum Heiligen Jahr 2025
Predigt
Lieber Weihbischof Anton, liebe Mitbrüder im priesterlichen Diakonalendienst, liebe geistige Schwestern, liebe zu diesem Pilgergottesdienst versammelte Gemeinschaft, ich ahne ja nicht, wie viele Kilometer Pilgerwege Sie in den Füßen haben, manche unzählige, zu Fuß, mit dem Autobus, mit dem Flugzeug, Tanzerei von Ihnen waren in Rom, manche an anderen Pilgerorten, da sind wir jetzt da und jetzt so an der Schwelle, wenn in Rom die großen Tore zum Heiligen Jahr geschlossen werden, versammeln wir uns, um den Überstieg vom Heiligen Jahr in ein geheiligtes neues Jahr zu geben, also in ein heilsames neues Jahr, denn Sie nehmen ja alle die Gnaden mit, die Sie gesammelt haben heuer, also da haben Sie Ihr Herz schon gestärkt auf den Pilgerwegen, auf denen Sie sich auf den Weg gemacht haben. Noch dazu gehen wir mit der Gewissheit, dass Jesus Christus mit uns geht. Wir haben ja heuer nicht nur das Heilige Jahr gefeiert, sondern auch das Jubiläumsjahr in Erinnerung an ein Konzil, das Konzil von Nicea 325.
Damals war die Frage, wer ist der Christus? Ist ja heute auch eine Frage, wer ist Jesus Christus? Und nach langem Ringen hat die Kirche damals formuliert, er ist Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott, gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem Vater. Also diese Sätze, das ist jetzt nicht ein theologischer Luxus, was ich da meine, sondern das ist Lebensgrund, auf dem wir stehen. Der Jesus von Nazareth ist Gott von Gott, Licht vom Licht.
Da wird nicht nur offenbar, wer Gott ist, sondern zugleich auch, wer wir Menschen sind, denn dieser Gott von Gott ist Mensch geworden, einer von uns. Er hat uns gezeigt, wozu wir leben. Also nicht nur Jesus ist offenbar worden, sondern auch der Mensch in seinem Menschsein.
Und von daher ist es sehr treffend, dass wir heute das Fest der Heiligen Familie feiern, an der Schwelle in eine neue Zeit hinein. Ein Jahr, das uns darin erinnert, dass die christliche Hoffnung keine Idee ist, oder auch kein frommer Wunsch, sondern einen Namen hat. Unsere Hoffnung hat einen Namen und der heißt Jesus Christus.
Er ist der, der in einer menschlichen Familie aufgewachsen ist. Da gab es nicht perfekte Verhältnisse, sondern eine Familie, die aufbrechen musste, haben wir heute im Evangelium gehört, die Unsicherheit kannte, die Flucht und Angst erlebt hat, die erlebt hat, dass dann der Jesus von Nazareth nicht den elterlichen Betrieb übernimmt und einfach nicht mehr zur Arbeit geht. Das muss eine Familie aushalten.
Dass der Sohn der Wanderprediger wird und mit Fischern unterwegs ist und sich mit Zöllnern abgibt und ein Presser und Seufer genannt wird, die Familie muss das aushalten. Der ist in einer Familie aufgewachsen, wo nicht alles schon von vornherein konfliktfrei war. Das ermutigt uns, dass wir einen Gott haben, der mit uns durch dieses Jahr gegangen ist.
Das war ja nicht nur ein Kalenderereignis, sondern das war ja mehr, dieses heilige Jahr. Das hat uns hineingeführt in eine ganz besondere Herzensverbundenheit mit Jesus Christus. An den einzelnen heiligen Orten.
Eine ganze Reihe von ihnen haben dann das Armband genommen und die Buchstaben zusammengesucht in den einzelnen Kirchen. Tragen sie heute mit. Bekommen sie nachher auch eine Urkunde damit, dass sie da diesen Weg auf sich genommen haben.
Aber das Armband mit den Buchstaben sagt uns, ein Weg, der ein Wort ergibt. Man bekommt nicht alles an einem Ort, war damit deutlich. Man sammelt Buchstaben, Kirche für Kirche, Schritt für Schritt.
Und erst unterwegs entsteht der Weg, ergibt sich ein Wort und eine Botschaft. Ich danke ihnen, dass sie sich da so Schritt für Schritt auf den Weg gemacht haben. Der Glaube ist nicht mit einer Kirche schon allein fertig.
Sondern da gibt es ein sich hineinbegeben, ein mitgehen, ein mit anderen unterwegs sein. Eine Messe, ein Gespräch, ein Gebet, eine Losprechung, eine versöhnte Begegnung. Das Armband sagt, schau ich bin unterwegs als Pilgerin, als Pilger.
Unsere Wege gehören zur Glaubensgeschichte. Und jeder Buchstabe erinnert, Gott hat mich an diesem Ort berührt. Das war ja nicht ein Abarbeiten von Leistung, sondern ein kenntlich machen, ein uns erinnern an heilige Orte, wo Gott mich berührt hat.
Das ist nicht nur ein Symbol, sondern ein Weg. Es geht nicht darum zu denken, ich habe etwas geleistet, sondern Gott hat mich beschenkt. Jeder Buchstabe, den sie in einer Kirche mitgenommen haben, sagt ihnen, da hat Gott mich beschenkt.
Heiliges Jahr 2025. Da hilft ihnen dieses Band, dieses Wort, dass ihr Leben selbst ein Wort wird. Dass ihr Leben selbst ein Wort der Hoffnung, der Treue, der Liebe wird.
Und jetzt sind sie mit diesem Band oder überhaupt mit der Feier des heiligen Jahres in ihrer Familie. Und wir feiern das Fest der heiligen Familie und erinnern uns, na jetzt ist die Familie die Jubiläumskirche. Also wenn sie heute heimkommen, dort wo sie wohnen, denken sie daran, jetzt gehen sie in ihre Jubiläumskirche.
Die Familie ist der Ort, wo Gott wohnt. Papst Franziskus hat das so schön geschrieben in Amoris Laetitia. Die Gegenwart des Herrn wohnt in der realen, konkreten Familie, mit all ihren Leiden, ihren Kämpfen, ihren Freuden, ihren täglichen Ringen.
Die familiäre Liebe, schreibt er weiter, besteht aus realen und konkreten Gästen. Und das lässt das innige Miteinander reifen. Und da hat Gott seine Wohnung.
Gott wohnt nicht nur hier in dieser Kirche. Er wohnt dort, wo sie wohnen, wo sie zu Hause sind. Es kann natürlich sein, dass ihre Familie ein Zusammensein erlebt, wo Liebe nicht immer geglückt ist.
Dass sie sagen, da wohnt Gott mit ihnen. Dass sie das wahrnehmen, aufnehmen und sagen, bei mir ist das so. Wir leben jetzt allein oder wir leben mit den Kindern oder wir leben mit einer neuen Beziehung.
Gott wohnt mit ihnen, er weicht nicht aus ihrem Haus. Also gehen sie in ihre Jubiläumskirche, wie immer sich die Situation in ihrer Familie zuträgt. Heiligkeit beginnt nicht mit makellosen Verhältnissen, sondern Heiligkeit beginnt, wenn Menschen einander nicht aufgeben.
Wenn sie wieder anfangen. Ich habe so viele Wunder erlebt, die mir Menschen erzählt haben im vergangenen Jahr. Zwei Geschwister haben wieder miteinander geredet.
Jetzt in diesen Tagen. Die haben jahrelang nicht miteinander geredet. Ist für mich ein Wunder des heiligen Jahres.
Eine junge Frau, die ich als junge Frau gefirmt habe, die konnte nicht zur Firmung gehen, weil sie eine schwere Krankheit hatte. Die hat in diesem Jahr erfahren, dass sie gesund ist. Die Ärzte fragen, wie ist das passiert? Ich glaube, es sind viele Wunder passiert in diesem heiligen Jahr.
Vielleicht kennen Sie auch solche Erzählungen. Die Hoffnung, dass Gott mit uns ist und die Wunder des Lebens geschehen lässt, gilt weiterhin. Wir haben eine Wand der Hoffnung aufgebaut im Internet.
Sie können dort was reinschreiben. Schreiben Sie was rein, was Ihnen Hoffnung macht im kommenden Jahr. Wir haben schon angefangen damit.
Ich staune, woraus die Menschen in unserer diözese leben. Was ihnen Hoffnung gibt, wie sie über das Miteinander glücklich sind. Wie sie froh sind, dass es hier Menschen gibt, die im Miteinander, im Glauben auf dem Weg sind.
Sammeln Sie wieder neue Buchstaben für das kommende Jahr. Vielleicht fängt ein Buchstabe mit B an. Bitte.
Bitte verzeih. Oder bitte, lass mich das machen. Mit B könnte einer anfangen.
Andere könnten mit B anfangen. Danke. Danke, dass es dich gibt.
Oder Z wie Zeit, ich höre dir zu. Synode lebt von der Wechselseitigkeit des Zuhörens. Das ist ja nicht nur, dass wir neue Gremien schaffen, sondern Synodal heißt, wir sind miteinander unterwegs in der Wechselseitigkeit des Aufeinanderhörens.
Vielleicht heißt ein Buchstabe G wie Gebet. Dass Sie zu jemandem sagen, komm, wir vertrauen uns Gott an. Wir vertrauen uns Gott an.
Das meint mit Beten. Mein Traum ist, und dazu sende ich heute, leben Sie das, was Sie erfahren haben in heiligen Jahren, Zuwendung Gottes in die neue Zeit hinein. Es geht nicht um Erinnerung, sondern es geht jetzt um Sendung.
Wir gehen hinaus wie die heilige Familie in den Alltag und wir tragen ein Zeichen, vielleicht ein Armband, vielleicht die Gewissheit, dass wir Menschen der Hoffnung sind. Das braucht unsere Welt. Hoffnung lässt sich ein auf Unvorhergesehenes und staunt dann, wenn da Dinge entstehen, wachsen, weil unser Gott mit uns geht.
Der Jesus von Nazareth schickt uns nicht in die Welt hinein und sagt, geht und schaut, wie ihr zurechtkommt, sondern er geht immer mit. Und wo wir hingehen, ist er oft schon vor uns dort. Bevor wir wo ankommen, ist Christus schon in dem Haus.
Wenn Sie Besuche machen, jetzt in der Weihnachtszeit noch, denken Sie immer, wenn es dort anklopfen, da ist schon Christus im Haus. Das ist schon eine Hauskirche, die Sie da betreten. Also da rechnen Sie damit, dass Christus mit uns ist und uns in denen begegnet, die uns einladen, mit denen wir zusammen sind.
Das heilige Jahr sollte uns hinüberführen in eine Zeit, wo Christen sagen, der Gott vom Gott, Licht vom Licht, der Gott, der in Christus Mensch geworden ist, der mein Menschsein vergöttlichen wird. Auf dem Weg in die Herrlichkeit hinein, dieser Gott geht mit uns. Er wird Sie auch morgen wieder überraschen.
Bleiben Sie eine Pilgerin, ein Pilger der Hoffnung. Amen.
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