Wege ins Leben
Wir haben ein Ostern gefeiert, das uns nahe geht. Das Teil unserer Lebens- und Landesgeschichte sein wird. Ostern ist immer eine Wendegeschichte, eine Wandlungserzählung. Jesus sichert uns über seinen Tod hinaus zu: „Ich bin da!“. Wir sind in der Woche „nach Ostern“ eigentlich am Beginn einer 50-tägigen Osterzeit.
Es geht darum, Zeit zu haben, um das unbegreifliche Dasein eines auferstandenen Jesus von Nazareth begreifen zu lernen. Wir sind dazu aufgerufen, 50 Tage lang wahrzunehmen, was Auferstehung heißt, was Wandlung bedeutet, wo und wie wir in unserem Leben sehen, dass sich das Leben letztlich durchsetzt.
Wir hören derzeit auch, dass sich unser Land langsam wieder mit Leben füllt. Es wird noch lange nicht der Alltag sein, den wir gewöhnt sind. Lassen wir uns auch Zeit, damit unsere Seele und unsere Nerven mitkommen. Die physische Distanz, die fehlende Nähe macht uns Menschen weiter zu schaffen, wird von den einen vermisst, von anderen ignoriert, von Dritten misstrauisch bewacht. Vom gewohnten Alltag sind wir auch mit geöffneten Baumärkten noch entfernt.
Mich als Bischof bewegt der Gedanke, wie wir den Menschen wieder den Besuch der Messe und das Brot des Lebens zugänglich machen können. Am Markt vor dem Dom werden Lebensmittel angeboten, trotzdem müssen Menschen derzeit schmerzlich auf das Überlebensmittel Kommunion verzichten? Ich bin dankbar für die gemeinsamen Überlegungen, die alle in diese Richtung gehen: Die gemeinsame Feier der heiligen Messe wieder möglich zu machen, im großen Bemühen und Respekt für die Gesundheit aller.
Die Woche nach dem Ostersonntag sagt uns: Lassen wir die Osterkerze nicht hinter uns, sondern tragen wir sie hinaus in die Welt. Finden wir, wie die Emmausjünger, Wege, gemeinsam mit dem auferstandenen Herrn unser Leben zu gehen.
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